Erfolgreich als Modedesignerin & Bloggerin: Interview mit Anne von modekarriere.com

von Julia
Erfolgreich als Modedesigner*in: Interview mit Anne von modekarriere.com

Im heutigen Interview spreche ich mit Mode-Consultant und Bloggerin Anne Kathrin Häfner, die das Blogazin modekarriere.com gestartet hat. Sie erzählt von ihrem Weg von der Festanstellung in die Selbstständigkeit, was ihr daran so gefällt und wie sie jetzt anderen Menschen helfen will, in der Modewelt Fuß zu fassen. Viel Freude beim Lesen!

Liebe Anne, vielen Dank, dass ich dir heute ein paar Fragen zu deiner inspirierenden Arbeit stellen darf. Wo und wie lebst du und was machst du beruflich?

Meine Name ist Anne, ich bin 32 Jahre alt und meine derzeitige Wahlheimat ist Nürnberg. Als gelernte Modedesignerin habe ich schon oft meinen Wohnort gewechselt und auch zehn Jahre meines Lebens in Stuttgart verbracht. Flexibilität ist alles in der Modebranche, um erfolgreich zu sein. Inzwischen bin ich als selbstständige Mode-Texterin und als Mode-Consultant tätig. Das ermöglicht auch mir dort zu leben, wo ich sein möchte und viel zu reisen. Wenn ich gerade nicht arbeite und zuhause bin, rühre ich auch gerne mal selbst meine eigene Kosmetik, wie Hautcremes oder Shampoo-Bars.

Wie bist du zum Modedesign gekommen?

Ich habe schon als Kind viel gezeichnet und mit Stoffen gearbeitet. Auch die Verbindung von Reisen in ferne Länder zu den Produktionsstätten oder Modemessen, hat mich an diesem Beruf gereizt. Darum stand vor meinem Schulabschluss für mich bereits fest, dass ich Modedesignerin werden wollte. Die große Frage war nur: Wie? Darauf konnte mir eigentlich niemand eine konkrete Antwort geben. Deshalb habe ich zunächst eine Ausbildung im Handel absolviert und habe mich danach erneut mit der Umsetzung meines Traums auseinandergesetzt.

Hast du ein Studium bzw. eine Ausbildung absolviert oder bist du Autodidaktin?

Nach der Ausbildung im Handel, bin ich dann auf verschiedene Berufsfachschulen aufmerksam geworden, die eine Ausbildung zur Modedesignerin anbieten. Das war dann mein nächster Step zu meinem Traumberuf. Ich besuchte dann drei Jahre eine Berufsfachschule für Mode und Design in Stuttgart und lernte dort das umfangreiche Handwerk des Modedesigns. Die Zeit war sehr anstrengend, aber ich konnte mich jeden Tag mit Fächern wie Modellentwurf, Industrieller Fertigung und Schnitterstellung beschäftigen. Dadurch lernte ich Stück für Stück, wie ein Kleidungsstück entsteht.

In meinem jetzigen Job kann ich meine Kreativität frei ausleben, mit meinen Kunden großartige Ideen gestalten und meine Werte leben.

Wann und aus welchen Beweggründen hast du deinen Blog „Modekarriere.com“ gestartet?

Direkt nach dem Abschluss habe ich mich intensiv darum bemüht, einen Berufseinstieg als Modedesignerin zu finden. Wieder eine harte Zeit, denn mir wurde bewusst, dass es für den Berufseinstieg kaum Informationen über die Branche selbst, über die richtige Bewerbung etc. gab. In meiner Laufbahn hörte ich die gleiche Problematik auch immer wieder von anderen Kollegen oder ehemaligen Kommilitonen. Neben meiner Vollzeittätigkeit habe ich auch im Jahr 2012 ein Dirndllabel gegründet, bei dem ich wieder mit einem Informationsmangel konfrontiert war. Aus diesem Mangel an Transparenz, habe ich 2014 das Blogazin Modekarriere.com ins Leben gerufen. Zunächst als reinen Informationsblog, ohne die Idee damit eine Selbstständigkeit anzustreben.

Arbeitest du von zuhause aus oder hast du ein Büro? Wo siehst du die Vor- bzw. Nachteile?

Ich arbeite überwiegend von zuhause aus. Allerdings bin ich auch regelmäßig unterwegs bei Kunden, Interviewpartnern und auf Modemessen. Und auch sonst versuche ich meinen Arbeitsplatz öfters mal zu verlagern, ob im Cafe, in der Bibliothek oder auch im Ausland. Denn der Nachteil am Homeoffice ist für mich, dass ich zuhause eben auch meine private Arbeit sehe. Wäsche waschen, Putzen, Aufräumen etc. Dennoch möchte ich es auf keinen Fall mehr Eintauschen, da meine Produktivität um ein Vielfaches höher geworden ist, als sie es zu Zeiten als Arbeitnehmerin war.

Warst du immer selbstständig in diesem Bereich oder auch angestellt tätig?

Bereits einen Monat nach meinem Abschluss als Modedesignerin habe ich direkt einen Praktikumsplatz gefunden. Ich hangelte eine Zeit lang von Praktikum zu Praktikum. Und dabei hatte ich noch das große Glück, dass ich immer einen Lohn oder eine Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen habe. Nach einer Zeit und vielen Bewerbungen deutschlandweit, habe ich meine erste Festanstellung gefunden. Zuerst als Modedesignerin, bei meinen späteren Arbeitgebern auch im Modeeinkauf und im Vertrieb. In der Zeit als Angestellte habe ich extrem viel über die verschiedenen Markenkonzepte gelernt. Von Haute Couture bis Discount war alles dabei. Zusätzlich habe ich mich vor meiner ersten Selbstständigkeit auch im Bereich Betriebswirtschaft über die IHK nochmal weitergebildet. Danach folgte 2012 meine nebenberufliche Selbstständigkeit mit einem eigenen Dirndllabel und daraus entwickelte sich dann das Konzept von Modekarriere.com.

Was macht für dich den Reiz der Selbstständigkeit aus? Warum hast du diesen Weg gewählt?

Selbstständigkeit ist für mich eine Art Freiheit. Mit meinem Business kann ich selbstbestimmt und effizient arbeiten, da ich meine eigenen Arbeitsstrukturen habe, meine Arbeitszeit und meinen Arbeitsort frei wählen kann. D.h. auch keine endlosen, sinnfreien Meetinggespräche mehr, keiner undurchsichtigen Zielvorgabe von Vorgesetzten folge zu leisten und nie wieder das Gefühl haben, nur ein Rädchen in einem Unternehmen zu sein und all die Mühe für diesen Job nur auf sich genommen zu haben, um am Ende Akten zu wälzen… all das frustrierte mich als motivierter Arbeitnehmer zutiefst und minderte mein Entfaltungspotenzial. In meinem jetzigen Job kann ich meine Kreativität frei ausleben, mit meinen Kunden großartige Ideen gestalten und meine Werte leben. Ich habe für mich gelernt, dass diese neue Art der Flexibilität auch mein Wohlbefinden fördert.

Was würdest du Quereinsteigern in einem so kreativen Beruf wie der Mode raten, um ein erfolgreiches Standbein aufzubauen?

Schritt für Schritt Erfahrungen in dem Bereich sammeln, der einem Spaß macht. Denn Mode ist unglaublich vielfältig. Wäsche z. B. ist ein sehr anspruchsvoller Bereich, in dem viel Liebe zum Detail steckt. Auch Business- oder Kindermode haben ihre ganz eigenen Ansprüche. Um in der Mode Fuß zu fassen, sollte man die Tücken des angestrebten Bereichs bei der Passform kennen, um über verarbeitungstechnische Features Bescheid wissen, die Innovationen und die Mitbewerber des Bereichs kennen und sich ständig über Trends, gängige Materialien und auch gesetzliche Grundlagen, z.B. in Bezug auf die Textilkennzeichnung, Verarbeitungsvorschriften oder Umweltaspekte auf dem Laufenden halten. Dabei ist es auch wichtig, keine Angst vor dem Scheitern zu haben, denn nur durch Ausprobieren kann man neue Dinge dazulernen und weiterkommen. Außerdem ist es wichtig ein gutes Durchhaltevermögen zu haben und sich auch immer wieder Rückmeldungen von Gleichgesinnten geben zu lassen.

Wie verdienst du momentan über dein Blog-Business Geld?

Über Werbetexte für Web und Print generiere ich derzeit die meisten Einnahmen. Also die textliche Gestaltung von Lookbooks und Webseiten für andere Modemarken, aber auch Unternehmensvorstellungen auf Modekarriere.com. Außerdem biete ich mein Know-How an und berate Modelabels z.B. bei der Konzeption und bei der Vermarktung ihrer Kollektionen, gebe Hilfestellungen bei den Produktionsunterlagen, für ihre Webseiten und erstelle Infopakete für spezielle Bedürfnisse. Auch die Unterstützung von Modestudenten ist ein Teil meiner Selbstständigkeit. Ich mache dazu Bewerbungs-Checks und erstelle Bewerbungsvorlagen, die ich auf unterschiedlichen Plattformen verkaufe. Und einen Teil meines Umsatzes mache ich auch mit Affiliate-Marketing. Hier ist es mir wichtig meine Leser nur auf wirklich hilfreiche und relevante Angebote aufmerksam zu machen, doch weil die Informationen in der Branche so rar sind, kann ich hier auf viele tolle Tipps, Webseiten, Produkte und Workshops verweisen, da aus eigener Erfahrung weiß, wie wenig man ohne relevante Branchenkenntnisse finden wird.

Wie und auf welchen Wegen findest du neue Kunden? Machst du gezielte Akquise?

Durch meine intensive Vorarbeit mit meinem Blogazin und der speziellen Nische finden Kunden meine Arbeit oftmals über Google oder meine Social Media Kanäle. Dennoch spreche ich auch gezielt Unternehmen an, die mir gefallen und mit denen eine Zusammenarbeit profitabel für alle Beteiligten ist. Gerade über Instagram finde ich sehr viele spannende Unternehmer aus der Branche. Vor allem Dienstleister sind für mich gerade sehr interessant, da meine Leserschaft auf der Suche nach Business-Partnerschaften z.B. für die Schnitterstellung oder Produktion von Erstmustern sind und sich diese Unternehmen direkt auf meiner Webseite vorstellen können.

Wie lange hat es gedauert, bis du von deinem Blog-Business leben konntest?

Vor ca. 3 Jahre habe ich zum ersten Mal das Potenzial von Modekarriere.com erkannt und neben meinem Vollzeitjob eine nebenberufliche Selbstständigkeit angemeldet, da ich die ersten Einnahmen durch Kooperationen mit Modedienstleistern erzielen konnte. Natürlich war ich zeitlich sehr eingeschränkt, aber konnte mich ohne finanziellen Druck in Ruhe „entwickeln“. Im letzten Jahr wurde dann mein Leben in ungefähr jeder Lebenslage ziemlich durcheinandergewirbelt. Dabei habe ich mich schließlich mit meinem Fokus und auch meinen Werten im Leben auseinandergesetzt und habe begonnen mich entsprechend auch beruflich danach auszurichten. Aus dem anfänglichen Blogazin wurde so ein Businesskonzept. Kaum hatte ich mich marketingtechnisch neu ausgerichtet, haben mich auch neue Kundenstämme entdeckt, woraus so viele neue Möglichkeiten entstanden sind. Damit konnte ich bisher regelmäßig gut bezahlte Aufträge generieren. Es ist fast magisch, was eine veränderte Positionierung auswirken kann.

Mir hat es in der Anfangszeit geholfen, nicht zu hinterfragen, wo das Ganze genau hinführt und wie es funktionieren kann, damit Geld zu verdienen.

Was sind deine Erfolgsgeheimnisse für ein funktionierendes Blog-Business? Worauf sollte man achten?

Das Blogazin ist für mich der Grundstein meines Businesses. Es ist der Kern all meiner Tätigkeiten. Meine Leser greifen gerne auf meine Artikel zurück und ich versuche die Themen auch für Neulinge in der Modebranche verständlich zu erklären. Mir sagte mal jemand: „Das, was für dich selbstverständlich ist, kann für den anderen super spannend sein.“ Darin steckt auch schon ein erfolgsversprechendes Geheimnis – das eigene Wissen, die eigenen Fertigkeiten und individuellen Erfahrungen weiterzugeben. Das Blogazin ist für mich ein Tool, um meine Zielgruppe besser kennenzulernen, ihre Bedürfnisse und Fragen zu erkennen. Um dieses Tool bewegen sich dann alle meine anderen Dienstleistungen. Dieser Prozess dauert aber eine gewisse Zeit. Dabei ist wirklich Durchhaltevermögen gefragt. Speziell im Bereich Beratung für Modedesigner und Modelabels habe ich so viele Webseiten kommen und gehen sehen. Aber es ist nur zu verständlich, dass nicht jeder in eine zeitliche Vorleistung gehen kann, ohne dafür angemessen bezahlt zu werden oder auch nur eine einzige positive Resonanz zu Beginn zu erhalten. Mir hat es in der Anfangszeit geholfen, nicht zu hinterfragen, wo das Ganze genau hinführt und wie es funktionieren kann, damit Geld zu verdienen. Es war in erster Linie die Leidenschaft eine Übersicht über die intransparente Modeindustrie durch meine Artikel und mein Wissen zu geben. Ein weiterer fast banaler Punkt ist, dass ich entsprechend meiner Verhältnisse lebe. Ich schwelge nicht im Luxus, sondern liebe praktischen Minimalismus. Ziel ist es, dass sich meine Lebenshaltungskosten auch mit höheren Einnahmen nicht merklich verändern.

Ist es deiner Meinung nach wichtig, mehrere Standbeine zu haben? Warum?

Für mich ist es auf jeden Fall wichtig, da ich dadurch auch immer wieder Abwechslung bekomme. Ich denke da sehr wirtschaftlich. Regelmäßig analysiere ich, wo in meinem Segment das meiste Potenzial liegt, daraus entwickle ich immer wieder neue Konzepte. Aber es hat natürlich Zeit und Erfahrung gekostet, bis diese Ideenquelle zu sprudeln begann. Vor drei Jahren hätte ich vermutlich nicht einmal zu träumen gewagt, welche Leistungen ich meinen Kunden anbieten würde.

Empfindest du deine Arbeit als erfüllend? Was macht für dich eine erfüllende Tätigkeit aus?

Auf jeden Fall. Für mich ist es erfüllend, selbstbestimmt und kreativ arbeiten zu dürfen ohne an starre Arbeitskonzepte gebunden zu sein. Durch das tubulente letzte Jahr konnte mir darüber bewusst werden, welcher Arbeitstyp ich eigentlich bin und wie Arbeit für mich funktioniert. Dabei wurde mir auch klar, dass ich es liebe Möglichkeiten zu haben und auch anderen Möglichkeiten und Perspektiven zu geben. Ich helfe sehr gerne und möchte mein Wissen teilen, damit andere einen Nutzen davon haben. Als Arbeitnehmerin war das aber oftmals nur in einem gewissen Rahmen erwünscht. Wissensaustausch wurde von meinen Vorgesetzten sogar manchmal aktiv unterbunden, was für mich bis heute unverständlich ist. Es läuft in der Branche oftmals nach dem Prinzip: Ein Mitarbeiter versucht sich durch sein Wissen und seine erprobte Arbeitsweise unentbehrlich zu machen. Verlässt er das Unternehmen nimmt er dieses aufgebaute Wissen auch wieder mit und das Unternehmen startet mit dem neuen Mitarbeiter bei Null.

Welche Projekte sind in Zukunft bei dir geplant? Was wird es in diesem Jahr Neues von dir geben?

Aktuell arbeite ich an meinem ersten Ratgeber für kreative Köpfe, die ein Modelabel gründen möchten. Darin wird vorallem der Start im „Kleinen“ behandelt. Ende letzten Jahres hatte ich dazu auch die Möglichkeit das Projekt mit zwei Verlagen zu besprechen. Ich konnte mir wertvolle Tipps holen und habe eine neue Sichtweise auf das Projekt erhalten. Letztendlich habe ich mich jedoch dazu entschieden, den Ratgeber im Selbstverlag zu veröffentlichen. Dabei lerne ich fast täglich neue Dinge dazu. Gerade bin ich dabei das Layout zu gestalten. Im Buch wird es dann neben vielen Tipps auch Erfahrungsberichte von anderen Modelabels geben und zusätzliche Worksheets, um die eigene Gründeridee zu durchleuchten. Das Projekt war schon lange ein Wunsch von mir und ich freue mich, wie es Stück für Stück vorwärts geht. Die Erscheinung ist für dieses Jahr voraussichtlich im Sommer geplant.

Was würdest du tun, wenn du genug Geld zum Leben hättest und nicht mehr arbeiten müsstest?

Das ist eine gute Frage. Mir ist es in der heutigen Zeit wichtig, einer zufriedenstellenden Arbeit nachzugehen, mit der ich auch meine Werte leben kann. Viele Menschen arbeiten auf die Zeit der Rente hin, damit sie nicht mehr arbeiten müssen. Arbeit ist ein wichtiger Teil meines Lebens, den ich auch mit genug Geld nicht einfach abstreifen wollen würde. Ich habe in den letzten Jahren so viel aufgebaut und bin dadurch auch viel über mich hinausgewachsen. Wenn ich genug Geld im Petto hätte, würde ich vermutlich einige Arbeiten an eine Assistenz abgeben und mich mehr auf mein Kerngeschäft konzentrieren. Die kontinuierliche Präsenz auf Social Media wäre so ein Punkt, den ich dann wohl abgeben würde. Außerdem würde ich einen großen Anteil meiner Zeit im Ausland verbringen.

Danke für diese spannenden Einblicke, liebe Anne! Das klingt wahnsinnig inspirierend. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg auf dem weiteren Weg mit deinem Herzensbusiness!
 

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