Erfolgreiches als Designerin & Autorin: Suse alias RevoluzZza

von Julia
Heldinnen-Interview #2: Suse alias RevoluzZza

Guten Morgen und herzlich willkommen zum zweiten Heldinnen-Interview! Heute möchte ich euch Suse vom Label RevoluzZza vorstellen. Sie ist alleinerziehende Mama von zwei Kindern und arbeitet selbstständig als Designerin, Illustratorin und Bloggerin. Im Interview berichtet sie über die Entstehung ihres Labels, erfüllende Arbeit sowie die besonderen Herausforderungen als Alleinerziehende. Weitere Infos zu diesem Thema, sowie die gesamten Antworten von Suse findet ihr in meinem Buch Mompreneurs: Selbstständig mit Kind. Viel Spaß beim Lesen!

Du bist erfolgreiche Designerin von Nähsets und DIY-Anleitungen, Illustratorin, Bloggerin – und alleinziehende Mama von zwei Kindern. Wie bringst du das alles unter einen Hut? Wieviele Stunden pro Tag arbeitest du im Durchschnitt?

Tatsächlich bin ich zusätzlich noch freie Redakteurin und Konzepterin für verschiedene Fernseh- und Video-Formate, schreibe Artikel usw. Das heisst, ich mache den weiten Spagat zwischen redaktioneller und künstlerischer Arbeit. Je nach Auftrag und je nach Kinderbetreuung variieren meine Arbeitszeiten zwischen 5 – 14 Stunden täglich.

Wie kam es zur Idee und Gründung deines Labels „RevoluzZza“?

Das war vor 10 Jahren: Anfang 2006. Als meine Tochter geboren wurde, nähte ich ihr ein Stoffwesen. Vom ganzen DIY-Hype war zu der Zeit in Deutschland noch nichts zu erahnen. Dawanda gab es noch nicht (gründete sich aber Ende des Jahres), Etsy funktionierte zu der Zeit eigentlich nur für US-amerikanische Künstler.

Aber zu dem Zeitpunkt wollte ich ja auch einfach nur etwas Schönes für meine Tochter nähen. Bis dato hatte ich lediglich ein paar Gardinen mit einer Supermarkt-Nähmaschine gesäumt und als Kind an der typischen roten Singer-Kindernähmaschine ein paar Puppen-Klamotten genäht. Das hasige Wesen, das ich mir für meine Tochter ausdachte, zeigte ich dann in meinem Familien-Blog – und bekam ein wirklich umwerfendes Feedback von den Lesern. Ganz viele fragten, ob ich für sie auch ein Stofftier nähen könnte – und ohne zu ahnen, welche Ausmaße das mal annehmen würde, sagte ich zu. Wenig später stand „arte“ bei mir im Wohnzimmer und drehte über meine Arbeit einen Beitrag. Und als sich Dawanda gründete, war das für mich enorm praktisch, weil Verkauf einfach nicht mein Interesse ist – und so bin ich dort seit 2007 dabei. Nach und nach entwickelte sich mein Label sehr organisch weiter. Dabei muss ich sagen, dass es mir immer wichtiger war etwas zu produzieren, hinter dem ich stehe und das mich wirklich glücklich macht – als Profit orientiert zu arbeiten. Deshalb habe ich einige profitable Kooperationen, die mich auf den Massenmarkt getrieben hätten, abgesagt – und habe einfach weiter mein Ding gemacht. Eine Zeit lang habe ich sehr erfolgreich DIY-Workshops gegeben – und habe dabei sehr viel für meine Tutorials, die ich vertreibe, gelernt.

Ich weiß, dass meine Arbeit gut ist – egal, was ich gerade mache. Und ich arbeite solange ein einer Sache, bis ich komplett zufrieden damit bin. Das ist für mich „erfüllend“.

Obwohl die Nachfrage nach fertig genähten Puppen bei mir ungebrochen hoch ist, mache ich das momentan nur noch in Einzelfällen. Denn mich interessiert es nicht, bereits vorhandene Figuren immer wieder zu produzieren – sondern neue Wesen und Geschichten zu entwickeln. Und weil ich von Hause aus Illustratorin bin und in meinen DIY-Workshops gemerkt habe, wie viel Freude es den Leuten macht, nicht zu komplizierte Nähprojekte zu schaffen und Stoffwesen zum Leben zu erwecken, habe ich ganz eigene Nähsets entwickelt. Dabei mische ich meine Erfahrungen als Puppenmacherin mit meinen Illustrationen und lasse die Ergebnisse auf Bio-Stoffe drucken. Meine Kunden erhalten dann die bedruckten Stoffe als Nähset, müssen diese nur noch ausschneiden, fertig nähen und mit dem von ihnen gewählten Material füllen – und schon haben sie ein einzigartiges Stoffwesen, dass sie durch ihre Arbeit zum Leben erweckt haben.

So begann die RevoluzZza-Reise zunächst beim eher zufälligen Erfinden von Stoffwesen ging mit DIY-Workshops weiter, zu Stoff-Design, dann Tutorial-Entwicklung und schließlich zu den illustrierten Nähsets. Unterwegs gab es immer wieder spannende Nebenstraßen mit Spezial-Projekten und Aufträgen. Und wohin die Reise als nächstes führt – bleibt auch für mich spannend (es gibt schon allerhand schöne Pläne).

Was bedeutet „erfüllende Arbeit“ für dich?

Im Laufe der Jahre habe ich immer mehr verstanden, dass was man klassischerweise unter „Erfolg“ und Karriere versteht, für mich nicht so wichtig ist. Ebenso wie großer Profit. Diese Einstellung hat sich allerdings sehr verändert: In meinen 20ern war ich schon ziemlich Karriere-orientiert, habe damals mein Kunststudium für einen sehr gut bezahlten Status-Job an den Nagel gehängt, war ziemlich jung bereits Art Director, gab mein Privatleben beinahe komplett für die Karriere auf, war ständig unterwegs, saß am Montag auf dem Flughafen und kam am Freitag erst wieder nach Hause. Damals hat mich das erfüllt und war das Richtige für mich.

Heute bin ich bescheiden geworden. Ich brauche kaum Geld für mich, mein Konsum ist bewusst heruntergeschraubt, ich trage Slow Fashion, die von Mode-Strömungen und Jahreszeiten unabhängig ist und besitze nicht viel. Das meiste Geld – abgesehen von meinen Kindern – gebe ich für Bücher aus.

Und ich brauche heute auch nicht mehr Karriere und Erfolg für mein Selbstbewusstsein. Ich weiß, dass meine Arbeit gut ist – egal, was ich gerade mache. Und ich arbeite solange ein einer Sache, bis ich komplett zufrieden damit bin. Das ist für mich „erfüllend“. Wenn das Publikum, die Kundschaft, die Leserschaft die Ergebnisse meiner Arbeit mag: Noch besser.

Heldinnen-Interview #2: Suse alias RevoluzZza

Du warst bereits vor der Trennung von deinem Mann selbstständig. Was hat sich als alleinerziehende Mama beruflich und privat für dich geändert?

Einfach alles hat sich geändert. Wenn man plötzlich ALLES alleine machen muss, ist das einfach ein unvorstellbarer „Job“. Wer es nicht erlebt, kann es sich schlichtweg nicht vorstellen. Wenn ich zuweilen von anderen Müttern Sprüche höre wie „Ich bin ja auch ein bisschen alleinerziehend, mein Mann ist die ganze Woche über beruflich unterwegs!“, kann ich darüber nur müde lächeln. Ein „bisschen alleinerziehend“ gibt es genauso wenig wie „ein bisschen schwanger“. Es gibt natürlich ganz unterschiedliche Alleinerziehende, es gibt Eltern, die sich bei der Kinderbetreuung abwechseln, es gibt Väter, die Unterhalt zahlen usw.

Ein sehr großer Prozentsatz der alleinerziehenden Mütter stemmt allerdings alles alleine. Statistisch gesehen leben über 95% der Kinder nach Beziehungstrennungen bei den Müttern, 50% der Väter haben innerhalb von 2 Jahren nach der Trennung/Scheidung keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern, 50 – 75% zahlen keinen oder zu wenig Kindesunterhalt.

Ich passe exakt in diese Statistik. Der Kindesvater zahlt keinen Unterhalt: Das bedeutet, dass ich das komplette Geld für das Leben meiner Kinder, Schule, Hobbies, Urlaub, Klamotten usw. alleine verdienen muss. Meine Tochter bekommt noch Unterhaltsvorschuss vom Staat (mit 194 Euro pro Monat ein Tropfen auf den heißen Stein, wie jede*r weiß, die*der Kinder hat), mein Sohn bekommt keine staatliche Unterstützung, weil er bereits 12 Jahre alt ist und der Unterhaltsvorschuss ab dem 12. Geburtstag nicht mehr gezahlt wird. Ich habe keine freien Wochenenden, quasi keinerlei Freizeit, keine Erholungsmöglichkeiten. Als Selbständige kann ich auch keine Mutter-Kind-Kur machen, zu der mir mein Hausarzt dringend riet – weil das arbeitstechnisch nicht zu managen ist. Wenn eines – oder noch schlimmer: beide Kinder krank werden, bedeutet das für mich oftmals Arbeitsausfall. Und dementsprechend auch: Honorar- bzw. Einnahmenausfall.

Was werden würde, wenn ich krank würde, vor allem, wenn ich schwer krank, Krebs bekäme, Burn-Out o.ä.: Undenkbar. Alleinerziehende haben dann zwar ein begrenztes Anrecht auf eine Haushaltshilfe – aber mein Einkommensausfall bliebe natürlich trotzdem. Finanzielle Vorsorge ist kaum möglich. Von der Altersarmut, die mich erwartet, ganz zu schweigen. Ich hatte schon frühzeitig eine Lebensversicherung für meine Altersvorsorge angelegt – diese aber gekündigt, um die Schulden meines Ex-Mannes zu bezahlen. Sehr blauäugig, wie sich herausstellte. Am Schwerwiegendsten finde ich am Alleinerziehenden-Leben allerdings, dass man die komplette Verantwortung für die Kinder alleine trägt, alle Entscheidungen alleine trifft. Und auch die Konsequenzen der getroffenen Entscheidungen alleine bewältigen muss.

Für einen neuen Partner ist das alles schwer zu verkraften und mitzutragen. Besonders wenn die Trennung so schwer und auch die Folgen der Ex-Beziehung so weitreichend sind wie in unserem Fall: Wenn der Ex-Partner die Scheidung herauszögert, keinen Unterhalt zahlt, sich im nach hinein herausstellt, dass während der Ehe Schulden gemacht wurden, von denen man nichts wusste, für die man aber mitverantwortlich gemacht werden kann usw. Wenn der Kindsvater keinen Umgang mit den Kindern hat. Das alles ist für die Kindsmutter eine dauerhafte Belastung, die natürlich auch Auswirkungen auf die neue Beziehung hat. Und selbst wenn der Kindsvater – wie in unserem Fall – im alltäglichen Leben gar nicht mehr vorkommt, bleibt er möglicherweise trotzdem ein Phantom im Hintergrund, das dauerhaften Ärger und Stress verursacht.

In welchen Bereichen würdest du dir mehr Unterstützung wünschen?

Alleinerziehende sind in Deutschland in jeder Hinsicht wirklich schlecht dran. Ich wünsche mir umgehend ein Ende der steuerlichen Benachteiligung von Alleinerziehenden! Außerdem sollten weitreichende Maßnahmen stattfinden, um das Armutsrisiko von alleinerzogenen Kindern zu reduzieren. Da viel zu viele Väter nicht willens sind Kindesunterhalt zu zahlen – 50% – 75% nicht oder zu wenig gezahlter Unterhalt spricht ja eine eindeutige Sprache – sollte Unterhalt nicht mehr wie bisher durch die Väter finanziert werden, sondern als bedingungsloses Grundeinkommen als Solidarzahlung durch Steuergelder. Es kann nicht angehen, dass das Unvermögen der Väter ihrer Verantwortung nachzukommen auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird. Und da Kinderarmut massive Folgen auf das gesamte folgende Leben der Kinder hat – sollte die Gesellschaft dafür einstehen.

Auch scheint es Zusammenhänge zwischen nicht stattfindendem Umgang und dem Nicht-Zahlen von Unterhalt zu geben, so könnte das Entkoppeln von finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Kindern und dem sozialen Miteinander im besten Falle dazu führen, dass mehr Kinder Kontakt zu ihrem Vater haben.

Und ja, es mag so wirken, als würde ich Väter damit aus der Verantwortung entlassen wollen – aber da die Erfahrung zeigt, dass Väter durch Druck nicht zur Vernunft gebracht werden können, müssen dann wohl zum Wohle der Kinder andere Wege gegangen werden. Außerdem wünsche ich mir regelmäßige zeitliche Entlastungen von alleinerziehenden Müttern. D.h.: Wenn die Väter sich vor dem Umgang mit ihren Kinder drücken und die Kinder 24/7 bei der Mutter sind, sollte es der Mutter ermöglicht werden, freie Wochenenden zu haben, mindestens ein freies Wochenende pro Monat. Denn wenn Alleinerziehende durch Ermüdungsdepressionen ausfallen – ist niemandem geholfen. Am wenigsten dem Kindeswohl. Dementsprechend sollte die Kinderbetreuung nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ verbessert werden. Dadurch würden auch die Chancen für Alleinerziehende auf dem Arbeitsmarkt steigen. Und schließlich: Ein Ende der Altersarmutsspirale von Alleinerziehenden durch eine gerechte Mütterrente.

Würdest du anderen Alleinerziehenden raten, sich selbstständig zu machen?

Ich fände es falsch, hier einen allgemeinen Rat zu geben. Es gibt Menschen, denen es einfach liegt selbständig zu sein. Und Menschen, die diesem Druck und der Ungewissheit schlichtweg nicht gewachsen sind. Dabei glaube ich nicht, dass die Menschen, die sich selbständig machen, mutiger als Angestellte sind. Ich möchte da keinerlei Wertigkeit hineinlegen. Ich glaube, diejenige*derjenige ist am mutigsten, die*der ihre*seine Chancen realistisch einschätzt und maximal nach ihren*seinen Möglichkeiten lebt. Ohne dabei andere zu verletzen oder in Gefahr zu bringen.

Die Entscheidung sich selbständig zu machen hängt sicherlich nicht davon ab, ob man alleinerziehend ist – aber für viele Alleinerziehende ist es die einzige Chance überhaupt zu arbeiten. Weil es sehr schwer ist, einen festen Job zu finden als Single Mom. Allerdings ist man als Alleinerziehende viel stärker in Abhängigkeiten gefangen als wäre man ein Single ohne Kinder. Und man sollte nicht nur einen Plan B, sondern am besten noch C, D und E in petto haben. Was, wenn die Familie nicht so helfen kann, wie erhofft? Weil zum Beispiel Krankheitsfälle auftreten? Wie sieht es aus, wenn der neue Partner nicht so einspringen kann, wie es zunächst aussah? Was passiert, wenn das Kind längere Zeit krank ist? Wie sieht es aus, wenn der Kindsvater sich verabschiedet und die Kinderbetreuung alleine bei der Mutter liegt?

Welche Tipps würdest du Müttern, die sich selbstständig machen wollen, mit auf den Weg geben?

Überlegt es euch gut. Selbständigkeit nimmt einfach sehr, sehr, sehr viel mehr Zeit in Anspruch als eine feste Arbeitsstelle (und macht nicht immer glücklicher). Und da jeder Mensch naturgemäß nur 24 Stunden am Tag hat – bedeutet das, dass andere Dinge zu kurz kommen werden. Im schlimmsten Falle die Zeit mit euren Kindern. Und die kann euch niemand ersetzen oder wiedergeben.

Vielen Dank für diese ganze persönlichen Einblicke, liebe Suse – und natürlich viel Erfolg weiterhin mit deinen kreativen Projekten!

Dieses Interview gibt es in der ausführlichen Version in meinem Buch Mompreneurs: Selbstständig mit Kind

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Mit dabei: Clara Moring (tastesheriff & BLOGST), Sarah Seeliger (librileo), Constanze Buchheim (i-potentials) und Suse Bauer (RevoluzZza).

Viele weitere Infos zum Buch inkl. Leseprobe bekommst du auch nochmal hier auf der Detailseite Mompreneurs: Selbstständig mit Kind.

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